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Warum ich die Bibel lese

GEDANKEN · GLAUBE · PERSPEKTIVE

Warum ich die Bibel lese – und warum meine Antwort nicht besonders christlich klingt

Von Michaya Angel · 14. August 2025 · ca. 8 Min. Lesezeit


Nicht aus Pflicht. Nicht aus Angst.
Sondern weil ich selbst verstehen wollte.


Worum geht es in diesem Beitrag?

  1. Wie mein Weg mit Angst begann
  2. Warum mich die Höllenfrage nicht losließ
  3. Was ich nicht einfach übernehmen konnte
  4. Warum ich selbst tiefer gegraben habe
  5. Welche Hoffnung ich heute darin sehe

Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich irgendwann freiwillig in der Bibel lesen würde, hätte ich wahrscheinlich gelacht.

Nicht, weil ich grundsätzlich nichts mit Glauben anfangen konnte. Sondern weil die Bibel für mich lange wie ein schweres, trockenes Buch wirkte – weit weg von meinem Alltag und noch weiter weg von den Fragen, die mich wirklich beschäftigt haben.

Ich hatte nicht das Gefühl, dort etwas zu finden, das mit meinem Leben zu tun hatte.

Und ganz sicher hätte ich nicht gedacht, dass ausgerechnet dieses Buch irgendwann dazu führen würde, dass ich viele Dinge hinterfrage, die ich vorher einfach für gegeben gehalten hatte.


Angst war mein Einstieg – nicht Frömmigkeit

Der Grund, warum ich irgendwann doch angefangen habe zu lesen, war ausgerechnet ein Thema, das mir Angst gemacht hat:

Himmel und Hölle.

Die Vorstellung, dass ein Mensch wegen eines kurzen Lebens für immer verloren sein könnte, hat mich nicht losgelassen.

Was, wenn man falsch glaubt?
Was, wenn man etwas nicht versteht?
Was, wenn man Zweifel hat?
Was, wenn man schlicht nicht in das religiöse Bild passt, das einem präsentiert wird?

Solche Fragen können ziemlich schwer werden, wenn die Antwort immer nur lautet:

Glaube richtig – sonst drohen Konsequenzen für die Ewigkeit.

Irgendwann wollte ich nicht mehr nur hören, was andere darüber sagen.
Ich wollte selbst wissen, was tatsächlich im Text steht.


Was mich an der Höllenlehre nicht losgelassen hat

Besonders schwierig finde ich bis heute Glaubensbotschaften, die Menschen kleinmachen, beschämen oder ihnen Angst einreden und das dann mit Gott begründen.

Wenn Glaube am Ende nur vermittelt:

„Mit dir stimmt etwas nicht. Und wenn du nicht richtig glaubst, wirst du bestraft.“

… dann möchte ich wissen, woher diese Aussage eigentlich kommt.

Steht sie wirklich so im Text?
Oder haben Übersetzungen, Traditionen und jahrhundertelange Auslegungen unser Bild stärker geprägt, als uns bewusst ist?
Diese Frage wurde für mich irgendwann wichtiger als die fertigen Antworten.

Denn wenn Gott wirklich Liebe ist, dann wollte ich verstehen, wie das mit einem Gottesbild zusammenpasst, das vor allem durch Angst funktioniert.

Nicht, um unangenehme Stellen wegzuerklären.
Sondern weil ich wissen wollte, was sie tatsächlich sagen.


Warum ich heute selbst nachlese

Je mehr ich gelesen habe, desto mehr ist mir aufgefallen, wie viel davon abhängt, wie wir einen Text lesen.

Welche Übersetzung benutzen wir?
Was bedeuten die ursprünglichen Wörter?
In welchem historischen Zusammenhang wurde etwas gesagt?
An wen richtet sich ein Abschnitt?
Und was steht eigentlich davor und danach?

Manche Aussagen, die ich früher für völlig eindeutig gehalten habe, wirkten im Zusammenhang plötzlich ganz anders.
Das bedeutet für mich nicht, dass ich jetzt auf jede Frage eine sichere Antwort habe. Im Gegenteil, heute habe ich wahrscheinlich mehr Fragen als früher.
Aber ich habe weniger Angst vor ihnen.

Ich lese die Bibel heute nicht, um fertige Antworten zu bestätigen.

Ich lese sie, weil ich verstehen möchte.
Ich vergleiche Übersetzungen. Ich schaue mir Begriffe an. Ich lese unterschiedliche Perspektiven. Und manchmal ändere ich dabei auch meine Meinung.
Für mich ist das kein Zeichen eines schwachen Glaubens.

❝Ein Glaube, der Fragen nicht aushält, wäre mir viel zu eng.❞

Eine Übersetzung, die ich gern nutze

Konkordantes Neues Testament (KNT)

Grundtextnah. Ungewohnt. Manchmal gerade deshalb aufschlussreich.

Besonders interessant finde ich das KNT dort, wo vertraute Bibelbegriffe plötzlich anders erscheinen. Es erinnert mich daran, dass auch eine Übersetzung bereits Entscheidungen darüber trifft, wie ein Wort wiedergegeben wird. Außerdem versucht es, die Begriffe des griechischen Grundtextes möglichst konsequent und einheitlich wiederzugeben.

Außerdem nutze ich gerne die Elberfelder Bibel


Auch die Elberfelder Bibel eignet sich gut zum Vergleichen. Sie orientiert sich sprachlich relativ eng am Grundtext und ist dabei für viele Leser zugänglicher als eine sehr wörtliche Übersetzung.

Mein Tipp: Nicht nur eine Bibelübersetzung lesen. Vergleichen lohnt sich.


Was sich dadurch verändert hat

Ich glaube heute anders als früher. Nicht unbedingt weniger. Aber freier.
Ich muss nicht auf alles gleich eine Antwort finden.
Ich darf sagen:

Das verstehe ich nicht.

Damit kämpfe ich.

Diese Auslegung überzeugt mich nicht.

Da möchte ich tiefer graben.

Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich inzwischen so gern in der Bibel lese. Nicht, weil ich dort immer einfache Antworten finde, sondern weil mich die Texte immer wieder dazu bringen, genauer hinzusehen.


Was ich mit meinen Beiträgen erreichen möchte

Ich möchte mit meinen Beiträgen keine neue Glaubensschublade bauen.
Ich möchte auch niemandem vorschreiben, was er glauben muss.
Mir geht es darum, Fragen zu stellen. Dinge zu hinterfragen, die vielleicht jahrelang selbstverständlich klangen. Bibelstellen in ihrem Zusammenhang anzusehen. Und vor allem Menschen Mut zu machen, sich nicht von Angst zum Glauben zwingen zu lassen. Wenn meine Texte dazu beitragen, dass jemand die Bibel, Gott oder auch nur die eigenen Fragen ein kleines Stück freier betrachten kann, dann haben sie für mich bereits etwas erreicht.

❝Glaube sollte nicht enger machen.
Er sollte Raum zum Atmen lassen.❞

Früher →

Mein früherer Blick auf die Bibel
Weit weg von meinem Alltag und noch weiter weg von meinen Fragen.

Angst →

Angst war mein Einstieg
Himmel und Hölle haben mich mehr beschäftigt, als ich wollte.

Konflikt →

Was ich nicht mehr einfach glauben konnte
Manche Antworten machten mir mehr Angst, als sie mir Hoffnung gaben.

Eigenes Nachlesen →

Also begann ich zu lesen, zu vergleichen und genauer hinzusehen.

Heutige Haltung

Heute glaube ich anders
Nicht weniger – aber freier, ehrlicher und mit mehr Raum für Fragen.

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