Der reiche Mann und Lazarus – beweist Lukas 16 wirklich eine ewige Hölle?

ENGELSGEDANKEN · HIMMEL & HÖLLE – BIBLISCH HINTERFRAGT

Der reiche Mann und Lazarus – beweist Lukas 16 wirklich eine ewige Hölle?

Von Michaya Angel · 9 Mai 2024 · ca. 15 Min. Lesezeit


Eine Geschichte über mehr
als Himmel und Hölle?


  • Kontext statt Einzelvers
  • Gleichnis oder wörtliche Jenseitsbeschreibung?
  • Was Hades und „Abrahams Schoß“ bedeuten
  • Warum Lukas 16 für mich keine endlose Hölle beweist

Flammen, Qualen und eine unüberwindbare Kluft: Kaum eine Geschichte Jesu scheint auf den ersten Blick deutlicher für Himmel und Hölle zu sprechen.
Aber ist das wirklich ihre Aussage?

Es gibt Bibelstellen, bei denen man beim Lesen erst einmal schluckt.
Die Geschichte vom reichen Mann und Lazarus in Lukas 16 gehört für mich dazu.
Ein armer Mann stirbt und findet sich bei Abraham wieder. Ein reicher Mann stirbt ebenfalls und leidet in Flammen.
Zwischen beiden liegt eine unüberwindbare Kluft. Wenn man diese Geschichte ohne Kontext liest, scheint die Sache ziemlich eindeutig:

Die einen werden gerettet. Die anderen leiden nach ihrem Tod.

Auch ich habe diese Stelle lange als eines der stärksten Argumente für eine Hölle empfunden
und genau deshalb wollte ich irgendwann genauer wissen:

Beschreibt Jesus hier tatsächlich das Leben nach dem Tod – oder erzählt er eine Geschichte mit einer ganz anderen Botschaft?

Je mehr ich mich mit dem Zusammenhang beschäftigte, desto wichtiger wurde für mich eine Frage:

Was wollte Jesus seinen damaligen Zuhörern eigentlich sagen?


Worum geht es in der Geschichte

Jesus erzählt von zwei Menschen, deren Leben kaum unterschiedlicher sein könnten.
Der eine ist reich, trägt kostbare Kleidung und lebt im Überfluss.
Vor seinem Tor liegt Lazarus. Er ist arm, krank und hofft auf das, was vom Tisch des Reichen übrig bleibt.
Dann sterben beide. Lazarus wird in Abrahams Schoß gebracht.
Der reiche Mann befindet sich dagegen in Qualen und bittet um einen Tropfen Wasser.
Abraham erinnert ihn daran, wie unterschiedlich ihre Lebenssituationen zuvor gewesen waren.
Zwischen beiden Bereichen liegt nun eine große Kluft. 

„Da war ein gewisser reicher Mann, der sich in Purpur und Batist kleidete und prunkvoll Tag für Tag in Fröhlichkeit dahinlebte. Und da war ein gewisser Armer mit Namen Lazarus, der mit Eiterbeulen vor dessen Torhalle darniederlag und nur begehrte, sich von den Abfällen zu sättigen, die vom Tisch des Reichen fielen. Es kamen jedoch die streunenden Hunde und leckten seine Eiterbeulen.

Dann geschah es, dass der Arme starb und von Boten fortgebracht wurde – in Abrahams Schoß. Aber auch der Reiche starb und wurde begraben. Als er im Ungewahrten in Qualen war und seine Augen aufhob, sah er Abraham von ferne und Lazarus in dessen Schoß. 

Da rief er: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers in Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Schmerzen in dieser Flamme. 

Aber Abraham antwortete: Kind, erinnere dich daran, dass du dein Gutes während deines Lebens erhieltest und Lazarus gleicherweise das Üble; nun aber wird ihm hier zugesprochen, während du Schmerzen leidest. Zu diesem allen ist zwischen uns und euch eine grosse Kluft festgelegt, damit die, die von hier zu euch hinüberschreiten wollen, es nicht können, auch nicht die, die von dort zu uns herüberfahren möchten.“

Lk 16,19-31 (Konkordantes Neues Testament KNT)

Auf den ersten Blick klingt das wie eine Beschreibung des Jenseits.
Aber genau hier lohnt sich der Blick über diese wenigen Verse hinaus.


Eine Geschichte steht nie im luftleeren Raum

Einer der größten Fehler beim Lesen schwieriger Bibelstellen ist für mich inzwischen:

Wir beginnen beim einzelnen Vers – statt beim Zusammenhang.

Die Erzählung von Lazarus steht nicht einfach irgendwo für sich. Schon in Lukas 15 beginnt eine längere Folge von Geschichten. Jesus spricht zunächst zu Menschen, die gesellschaftlich und religiös am Rand stehen: Zöllner und „Sünder“. Gleichzeitig hören Pharisäer und Schriftgelehrte zu – und sie kritisieren Jesus dafür, dass er gerade diese Menschen annimmt. 

Dann folgen mehrere bekannte Erzählungen:

das verlorene Schaf,
die verlorene Münze,
der verlorene Sohn,
der ungerechte Verwalter
und schließlich der reiche Mann und Lazarus.

Diese Geschichten stehen thematisch miteinander in Verbindung.

Die ersten drei Erzählungen handeln von Menschen oder Dingen, die verloren sind und wiedergefunden werden.
Bei den letzten beiden Erzählungen richtet sich der Blick stärker auf diejenigen, denen Verantwortung, Wissen und religiöse Autorität anvertraut wurden. 

Das verändert für mich den Blick auf Lazarus ganz erheblich.


Wer hört Jesus eigentlich zu?

In Lukas 16 wird ausdrücklich erwähnt, dass die Pharisäer Jesus hören.
Kurz bevor die Lazarusgeschichte beginnt, sagt Jesus zu ihnen sinngemäß:

Ihr rechtfertigt euch selbst vor den Menschen – Gott aber kennt eure Herzen.

vgl. Lukas 16, 15

Das ist ein wichtiger Nebensatz. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um die Frage:

Was passiert nach dem Tod?

Sondern um:

→

Was macht religiöse Selbstgerechtigkeit mit Menschen?

Was passiert, wenn jemand sich selbst auf der richtigen Seite sieht – und gleichzeitig den leidenden Menschen direkt vor seiner Tür übersieht?
Für mich liegt genau dort eine der schärfsten Spitzen dieser Geschichte.

Vielleicht erzählt diese Geschichte weniger darüber, wo Menschen nach dem Tod sind – und mehr darüber, wen wir im Leben übersehen.

Gleichnis oder Bericht über das Jenseits?

Die Erzählung beginnt mit einer Formulierung, die auch aus anderen Gleichnissen von Jesus bekannt ist:

„Es war ein reicher Mann …“

Ähnliche Einstiege finden wir an anderen Stellen:

„Ein Mensch hatte zwei Söhne …“
„Ein Mensch machte ein großes Mahl …“
„Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte …“

Ein Gleichnis funktioniert anders als ein Tatsachenbericht. Wenn Jesus von einem Hirten erzählt,
der ein verlorenes Schaf sucht, dann müssen wir nicht beweisen, dass dieser konkrete Hirte historisch existiert hat.

Der Hirte trägt die Botschaft.
Das verlorene Schaf trägt die Botschaft.
Das Wiederfinden trägt die Botschaft.

Das Bild dient der Aussage.


Ein Gleichnis muss nicht in jedem Detail wörtlich sein

Die Bibel selbst kennt sehr drastische Bildsprache. Im Alten Testament gibt es beispielsweise eine Geschichte,
in der Bäume miteinander sprechen und sich einen König suchen. Niemand liest diesen Text als botanischen Bericht.
Seine Bilder sollen etwas über Menschen, Macht und Herrschaft aussagen.

Genauso würde ich auch bei Lazarus fragen:
Was soll die Geschichte sichtbar machen?

Nicht zuerst:
Wie sieht das Totenreich geografisch aus?

1


Das Bild

Flammen, Durst, Kluft, Abrahams Schoß

2


Die Frage

Muss jedes Detail wörtlich verstanden werden?

3


Die Botschaft

Wen sieht Gott? Wer übernimmt Verantwortung? Wer wird übersehen?

Das Bild dient der Aussage – nicht jede Einzelheit
muss eine Landkarte des Jenseits sein

Ein Gleichnis erklärt etwas – es dokumentiert nicht alles

Wenn wir jedes Detail der Lazarusgeschichte als wörtliche Beschreibung des Jenseits lesen, entstehen sofort merkwürdige Fragen.


Können Gerettete und Verurteilte miteinander sprechen?
Können sie einander sehen?
Kann ein Tropfen Wasser die Qual einer übernatürlichen Flamme lindern?
Liegt das ewige Schicksal eines Menschen daran, ob er zu Lebzeiten reich oder arm war?

Die Geschichte selbst nennt nämlich keinen falschen Glauben des reichen Mannes als Grund für sein Schicksal.
Und bei Lazarus steht auch nicht:

Er glaubte das richtige Glaubensbekenntnis – deshalb wurde er gerettet.

Das sollte uns zumindest vorsichtig machen.


Das Problem ist nicht einfach: reich gegen arm

Die Botschaft lautet nicht:

Reiche Menschen kommen in die Hölle und arme Menschen in den Himmel.

Das würde dem restlichen biblischen Zeugnis kaum gerecht werden. Es geht tiefer. Es geht um Haltung, Verantwortung
und den Blick für den Menschen vor der eigenen Tür.

Nicht gemeint



✕ Reich = automatisch Böse
✕ Arm = automatisch Gerecht
✕ Wohlstand allein ist das Problem

Was gemeint ist



✓ Herzenshaltung
✓ unterlassende Barmherzigkeit/Hilfestellung
✓ Verantwortung gegenüber dem Nächsten
✓ Ein warnendes Gleichnis

Entscheidend ist vielmehr der Kontrast. Der reiche Mann lebt im Überfluss und Lazarus liegt vor seiner Tür.
Das Leid ist also direkt vor seinen Augen. Der reiche Mann muss nicht die Welt retten, er muss nur hinsehen.
Aber genau das tut er nicht. Plötzlich bekommt die Geschichte eine unangenehme Brisanz.
Denn vielleicht geht es weniger darum:

„Wo komme ich nach meinem Tod hin?“

sondern viel mehr darum

→

„Wen übersehe ich heute direkt vor meiner Tür?“

Die Rollen werden umgedreht

Der reiche Mann hält sich offenbar selbst für einen Sohn Abrahams. Er spricht Abraham sogar als Vater an.
Aber seine religiöse Zugehörigkeit schützt ihn in der Geschichte nicht vor dem Gericht.
Lazarus dagegen, der gesellschaftlich Schwache, Kranke und Übersehene, befindet sich plötzlich bei Abraham.
Die Rollen sind vertauscht. Die Menschen, die sich sicher glaubten, stehen plötzlich draußen
und derjenige, den niemand beachtete, wird gesehen.

In dem Gleichnis von Lazarus und dem reichen Mann bezieht sich Jesus besonders auf die Pharisäer und Schriftgelehrten:
Menschen mit religiösem Wissen und gesellschaftlicher Stellung,
die gerade dadurch eine besondere Verantwortung gegenüber anderen hatten. 

Das ist für mich wesentlich näher am Anliegen Jesu als eine Landkarte von Himmel und Hölle.

Religiöse Sicherheit ist keine Garantie

Jesus kritisiert religiöse Führer an mehreren Stellen sehr deutlich. Nicht deshalb, weil sie die Bibel kannten.
Sondern weil zwischen dem, was sie lehrten, und dem, wie sie mit Menschen umgingen, ein tiefer Widerspruch bestand.


Sie konnten religiöse Regeln verteidigen und gleichzeitig anderen schwere Lasten auferlegen.
Sie konnten gerecht wirken und dabei Gerechtigkeit und Barmherzigkeit vernachlässigen.
Sie konnten angesehen sein und trotzdem das Leid um sie herum übersehen.

Genau vor diesem Hintergrund bekommt der reiche Mann für mich eine andere Bedeutung.

Er ist nicht einfach „der böse Ungläubige“.

Er steht vielmehr für einen Menschen, der sich sicher fühlt – obwohl direkt vor ihm jemand leidet.
Und diese Sicherheit wird von Jesus erschüttert.

Aber da stehen doch Flammen und Qualen

Das stimmt, deswegen möchte ich diese Bilder auch nicht einfach wegdiskutieren
Die Geschichte verwendet bewusst drastische Bilder:

Flammen.
Schmerzen.
Durst.
Eine Kluft.

Gerade dadurch bleiben sie im Kopf. Aber starke Bildsprache ist noch kein Beweis dafür,
dass jedes Detail wörtlich gemeint sein muss.

Die entscheidende Frage lautet für mich:

Wozu benutzt Jesus diese Bilder?

Wenn die Geschichte Menschen erschüttern soll, die sich religiös und gesellschaftlich auf der sicheren Seite fühlen,
dann erfüllen diese Bilder genau diesen Zweck. Die Umkehr ist radikal.
Derjenige, der zu Lebzeiten alles hatte, bittet nun um etwas so Kleines wie einen Tropfen Wasser.
Derjenige, der vorher um Essensreste hoffte, wird dagegen getröstet.


Und was ist mit dem Wort „Hölle“?

Hier lohnt sich wieder ein Blick auf die Übersetzung. In Lukas 16,23 steht im Griechischen Hades.
Je nach deutscher Bibel wird das unterschiedlich wiedergegeben. Manche Übersetzungen verwenden „Hölle“,
andere schreiben „Hades“ oder „Totenreich“.
Das ist wichtig, weil das deutsche Wort „Hölle“ sofort sehr konkrete Bilder auslöst:

ewiges Feuer, Dämonen, endlose Qual, endgültige Gottverlassenheit.
Aber all diese Vorstellungen stecken nicht in dem griechischen Wort Hades.

Ein Übersetzungswort kann mehr Bilder in unserem Kopf erzeugen, als der ursprüngliche Begriff allein aussagt.


Abrahams Schoß – eine bekannte Bildwelt?

„Abrahams Schoß“ ist eine jüdische Vorstellungen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch
ein antiker Text über den Hades, der traditionell mit Flavius Josephus (ein jüdisch-hellenistischer Historiker) verbunden wurde.
Darin findet sich eine Vorstellung, die auffallend an die Bildsprache in Lukas 16 erinnert:
Die Gerechten befinden sich an einem Ort ohne Mühsal, Hitze oder Kälte und warten dort auf das kommende Leben.
Dieser Ort wird ausdrücklich „Schoß Abrahams“ genannt.

„Bei ihnen gibt es keinen Ort der Mühsal, keine brennende Hitze, keine schneidende Kälte … Diesen Ort nennen wir den Schoß Abrahams.“

Aus einem antiken, traditionell Josephus zugeschriebenen Traktat über den Hades.

Warum ist dieser Vergleich interessant?

Nicht weil dieser außerbiblische Text beweisen würde, wie das Jenseits tatsächlich aussieht. Im Gegenteil.
Er zeigt vielmehr, dass Vorstellungen wie Abrahams Schoß, Hades, Trennung und unterschiedliche Bereiche der Totenwelt in der damaligen religiösen Gedankenwelt vorkamen. Damit wird eine andere Möglichkeit denkbar:

Jesus könnte eine Bilderwelt aufgreifen, die seinen Zuhörern vertraut war.

Und dann tut er etwas Entscheidendes:

Er dreht die erwarteten Rollen um. Der gesellschaftlich Übersehene befindet sich bei Abraham.
Der privilegierte Mann steht plötzlich draußen und muss erkennen,
dass seine vermeintliche Sicherheit ihn nicht vor Verantwortung schützt.


Was ist mit der großen Kluft?

Auch die „große Kluft“ wird häufig als Beweis dafür gelesen, dass nach dem Tod jede Veränderung für immer unmöglich sei. Aber auch hier würde ich vorsichtig sein.
Innerhalb der Geschichte erfüllt die Kluft zunächst eine klare Funktion:

Die Umkehr der Verhältnisse ist nicht einfach rückgängig zu machen.

Der reiche Mann kann nun nicht mehr so handeln, als wäre nichts gewesen. Seine Entscheidungen haben Konsequenzen.

Das ist ernst.

Aber daraus folgt für mich noch nicht automatisch eine vollständige Lehre darüber, was Gott mit einem Menschen bis in alle Ewigkeit tun wird. Ein Gleichnis muss nicht jede theologische Frage beantworten, die wir später an den Text stellen.

Konsequenz ist nicht gleich Endgültigkeit


Was will Jesus dann sagen?

Für mich liegt genau darin die eigentliche Stärke des Gleichnisses.
Jesus nimmt Bilder, die seine Zuhörer verstehen können – und verwendet sie, um ihre Sicherheit zu erschüttern.

Nicht der religiöse Status entscheidet.
Nicht gesellschaftliches Ansehen.
Nicht die Nähe zu Abraham oder Gott, auf die man sich selbst beruft.

Die Geschichte stellt vielmehr eine viel unbequemere Frage:

Was hast du mit dem Menschen gemacht, der direkt vor deiner Tür lag?

Und vielleicht ist genau deshalb Lazarus der Einzige in der Geschichte, der einen Namen bekommt.

Er ist nicht einfach „der Arme“.
Er wird gesehen.

Und beweist die Geschichte nun eine ewige Hölle?

Für mich nicht. Sie spricht von Gericht. Sie spricht von Konsequenzen. Und sie verwendet Bilder von Schmerz und Umkehr.

✕ Aber sie sagt nicht

„Menschen werden wegen des falschen Glaubens für immer in einer Hölle gequält.“

Glaube oder Unglaube sind in der Geschichte nicht einmal erwähnt oder sind das ausdrückliche Kriterium.
Nimmt man sie streng wörtlich, wäre das entscheidende Problem des Reichen sein privilegiertes Leben und sein Umgang mit Lazarus – nicht ein bestimmtes Glaubensbekenntnis.

Darum halte ich es für schwierig, ausgerechnet diese Geschichte als eindeutigen Beweis für die traditionelle Höllenlehre zu verwenden.


Was ich aus der Geschichte mitnehme

Vielleicht ist die unangenehmste Frage dieses Gleichnisses gar nicht:

„Wo lande ich nach meinem Tod?“

Vielleicht lautet sie:

„Wer liegt heute vor meiner Tür?“

Wen übersehe ich?
Wo beruhige ich mich mit meinem Glauben, meiner Moral oder meiner vermeintlich richtigen Theologie – während ein anderer Mensch leidet?
Wo glaube ich, Gott müsse selbstverständlich auf meiner Seite stehen?

Die Geschichte von Lazarus lässt sich leicht in eine Drohbotschaft verwandeln.
Aber vielleicht richtet sich ihre Warnung gerade gegen Menschen, die Religion und Moral als Sicherheit benutzen,
statt daraus Barmherzigkeit entstehen zu lassen.

„Das finde ich wesentlich unbequemer.
Und gleichzeitig wesentlich menschlicher.


Mein Fazit

Die Geschichte vom reichen Mann und Lazarus ist kein leichter Text.

Sie spricht von Gericht.
Von Umkehr.
Von Verantwortung.
Und davon, dass unser Umgang mit anderen Menschen nicht bedeutungslos ist.

Aber ich sehe in ihr keinen zwingenden Beweis dafür, dass Jesus hier eine endlose Hölle beschreibt.
Dafür spielt der unmittelbare Zusammenhang von Lukas 15 und 16 eine zu große Rolle.
Dafür richtet sich die Geschichte zu deutlich an Menschen, die sich selbst rechtfertigen und dabei andere übersehen. Und dafür enthält sie zu viele typische Elemente einer bildhaften Erzählung, als dass ich aus jedem Detail eine wörtliche Jenseitslehre ableiten möchte. 

Vielleicht will Jesus hier weniger erklären, wie das Jenseits aussieht – und viel stärker zeigen, wie gefährlich ein Glaube werden kann, der den Menschen vor der eigenen Tür nicht mehr sieht.

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