Hühnersuppe bei Erkältung und im Wochenbett
HELFENDE ENGEL
Der helfende Engel – Hühnersuppe bei Erkältung und im Wochenbett
Von Michaya Angel · 3. Februar 2020 · ca. 10 Min. Lesezeit
Wärme schenken.
Kräfte sammeln.
Dem Körper etwas Gutes tun.

✦✦✦
Darum geht es in diesem Text
- Hühnersuppe
- Erkältung
- Wochenbett
- Stillzeit
- Wärme
- Flüssigkeit
- Eiweiß
- Immunsystem
- Hausmittel
- Kraftbrühe
Heute möchte ich dir einen weiteren Klassiker aus meiner Reihe der helfenden Engel vorstellen:
Hühnersuppe.
Kaum ein Hausmittel erinnert mich so sehr an Wärme, Geborgenheit und dieses Gefühl:
Jetzt kümmere ich mich ein bisschen um mich selbst und um meine Liebsten.
Hühnersuppe wird schon seit sehr langer Zeit als stärkende Mahlzeit geschätzt.
Auch im Wochenbett gehört eine kräftige Brühe für viele Menschen traditionell dazu.
Ich selbst habe sie während meiner Stillzeit sehr gern gegessen.
Aber auch wenn eine Erkältung im Anmarsch war, gehörte eine warme Schüssel Hühnersuppe für mich zu den Dingen, nach denen ich mich sofort besser aufgehoben fühlte. Und tatsächlich steckt hinter diesem alten Hausmittel mehr als nur Nostalgie.
Warum tut Hühnersuppe bei einer Erkältung so gut?
Wenn wir erkältet sind, braucht der Körper vor allem:
Ruhe, Flüssigkeit und ausreichend Energie.
Und genau hier passt Hühnersuppe wunderbar hinein.
Sie liefert Flüssigkeit.
Sie ist warm.
Sie lässt sich oft auch dann gut essen, wenn der Appetit nicht besonders groß ist.
Und je nachdem, wie du sie zubereitest, enthält sie:
Eiweiß,
Gemüse,
Mineralstoffe und verschiedene weitere Nährstoffe.
Allein deshalb ist sie für mich ein ziemlich ideales Essen für Tage, an denen der Körper gerade mit etwas anderem beschäftigt ist.
Warum Hühnersuppe bei Erkältung so angenehm sein kann
- Wärme kann sich bei gereizten Atemwegen wohltuend anfühlen.
- Flüssigkeit hilft dabei, ausreichend hydriert zu bleiben.
- Brühe liefert je nach Zubereitung Salz und Mineralstoffe.
- Hühnerfleisch liefert Eiweiß.
- Gemüse und Kräuter bringen zusätzliche Pflanzenstoffe und Geschmack.
Und manchmal ist eine warme Schüssel Suppe einfach genau das, was man braucht.
Kann Hühnersuppe wirklich Erkältungssymptome lindern?
Hier gibt es tatsächlich eine interessante Untersuchung. Forscher untersuchten Hühnersuppe im Labor und stellten fest,
dass sie die Wanderung bestimmter weißer Blutkörperchen – sogenannter Neutrophiler – beeinflussen konnte.
Diese Zellen sind an Entzündungsreaktionen beteiligt.
Die Forscher vermuteten deshalb, dass ein milder entzündungshemmender Effekt möglicherweise mit erklären könnte, warum Hühnersuppe bei Infekten als angenehm empfunden wird.
Wichtig ist allerdings:
Das Experiment fand im Labor statt.
Es beweist nicht, dass Hühnersuppe Erkältungsviren abtötet oder eine Erkältung heilt.
Trotzdem finde ich spannend, dass hinter einem so alten Hausmittel zumindest ein plausibler
biologischer Mechanismus stecken könnte.
Manche Hausmittel wärmen nicht nur die Hände.
Sie geben dem Körper etwas, wenn er gerade wenig Kraft übrig hat.
Was ist mit den geschwollenen Schleimhäuten?
Bei einer Erkältung entzünden sich die Schleimhäute in Nase und Rachen.
Dadurch entstehen:
Schwellungen,
laufende Nase,
verstopfte Atemwege
und dieses typische Druckgefühl.
Eine warme Suppe kann die Ursache zwar nicht einfach ausschalten. Aber Wärme und Flüssigkeit können dabei helfen,
Sekret flüssiger zu halten und sich bei gereizten Schleimhäuten angenehm anzufühlen.
Auch der aufsteigende warme Dampf trägt für mich zu diesem wohltuenden Gefühl bei.
Kann man Erkältungsviren „ausschwitzen“?
Diesen Satz hört man häufig:
„Du musst die Erkältung richtig ausschwitzen.“
Ganz so funktioniert unser Körper allerdings nicht.
Schwitzen entfernt Erkältungsviren nicht direkt aus dem Körper. Wenn wir bei einer heißen Suppe warm werden und etwas schwitzen,
kann sich das trotzdem angenehm anfühlen.
Ich würde daraus aber keine Therapie machen. Gerade bei Fieber ist es wichtiger:
ausreichend zu trinken,
sich auszuruhen
und den Körper nicht zusätzlich zu überfordern.
Wärme darf guttun. Sie muss aber keinen Infekt aus dem Körper treiben.
Hühnersuppe im Wochenbett und in der Stillzeit
Auch im Wochenbett kann Hühnersuppe eine wunderbare Mahlzeit sein.
Nach einer Geburt braucht der Körper Energie und gerade in der Stillzeit steigt
der Bedarf an Flüssigkeit und Energie.
Eine kräftige Suppe kann deshalb sehr praktisch sein:
Sie liefert Flüssigkeit.
Eiweiß.
Gemüse.
Energie.
Und sie lässt sich wunderbar vorbereiten und portionsweise einfrieren. Ich selbst habe Hühnersuppe während
meiner Stillzeit sehr gern gegessen und sie als wohltuend und stärkend empfunden.
Hühnersuppe und Milchbildung
Hühnersuppe wird traditionell auch stillenden Müttern empfohlen.
Ich würde allerdings nicht behaupten, dass eine bestimmte Suppe automatisch die Milchproduktion erhöht.
Für die Milchbildung sind unter anderem häufiges beziehungsweise effektives Stillen, hormonelle Prozesse und die individuelle Situation entscheidend.
Was Hühnersuppe sehr wohl leisten kann:
Sie versorgt den Körper mit Flüssigkeit, Energie und Nährstoffen – genau das, was im Wochenbett oft besonders willkommen ist.
Warum ich bei den Zutaten auf Qualität achte
Wenn ich Hühnersuppe koche, achte ich besonders beim Fleisch auf Qualität.
Nicht weil Biofleisch automatisch ein medizinisch „gesünderes“ Lebensmittel wäre, sondern weil mir
Herkunft, Haltung und Geschmack wichtig sind.
Ich verwende deshalb gern ein Huhn aus einer Quelle, bei der ich nachvollziehen kann, wie das Tier gehalten wurde.
Gerade bei einer Suppe, die mehrere Stunden köchelt und bei der das Fleisch eine zentrale Zutat ist,
merke ich persönlich den Unterschied auch geschmacklich.
Und was ist mit Blutdruck?
Auch hierzu gibt es interessante Forschung.
Bestimmte Eiweißbestandteile aus Hühnerkollagen wurden wissenschaftlich untersucht.
Dabei geht es vor allem um sogenannte Peptide, die bei der Spaltung von Kollagen entstehen können.
In kleineren Studien mit Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck wurden für speziell hergestelltes Hühner-Kollagenhydrolysat
blutdrucksenkende Effekte beobachtet. Das finde ich durchaus interessant.
Aber:
Eine normale Hühnersuppe ist nicht dasselbe wie ein standardisiertes Kollagenhydrolysat.
Deshalb würde ich aus diesen Studien nicht ableiten:
„Iss täglich Hühnersuppe und du brauchst keine Blutdruckmedikamente mehr.“
Bei Bluthochdruck sollte eine notwendige medizinische Behandlung niemals einfach durch Lebensmittel ersetzt werden.
Man kann aber durchaus sagen:
Bestimmte Eiweißbestandteile des Huhns werden hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System wissenschaftlich erforscht.
Hühnerfüße, Kollagen und eine kräftige Brühe
Wenn du eine besonders kräftige Brühe kochen möchtest, spielen kollagenreiche Teile des Huhns traditionell eine wichtige Rolle.
Beim langen Kochen wird Kollagen teilweise zu Gelatine umgewandelt.
Das erkennst du daran, dass eine gute Brühe nach dem Abkühlen manchmal beinahe fest wird.
Genau diese Konsistenz mögen viele bei einer traditionellen Kraftbrühe.
Das macht die Suppe nicht automatisch zum Blutdruckmedikament. Aber es erklärt, warum lange gekochte Brühen eine ganz
andere Struktur bekommen als eine schnell zubereitete Suppe.
Eine gute Brühe braucht Zeit.
Vielleicht ist genau das auch ihre schönste Zutat.
Muss Hühnersuppe stundenlang kochen?
Nicht zwingend. Eine schnelle Hühnersuppe kann ebenfalls lecker und nährend sein.
Wenn ich jedoch eine richtige Kraftbrühe möchte, lasse ich sie gern länger und bei niedriger Temperatur köcheln.
Dadurch lösen sich Geschmack und bestimmte Bestandteile aus Fleisch, Knochen und Gemüse stärker in der Brühe.
as Ergebnis ist eine kräftigere, aromatischere und häufig etwas gelatinehaltigere Brühe.
Meine einfache Hühnersuppe
Zutaten
1 Suppenhuhn oder etwa 1–1,5 kg Hühnerteile
2–3 Möhren
½ Knollensellerie oder einige Selleriestangen
1 Lauchstange
1–2 Zwiebeln
1–2 Knoblauchzehen, optional
Petersilie
etwas Thymian
1–2 Lorbeerblätter, optional
Salz
Pfeffer
ca. 2–3 Liter Wasser
Je nach Geschmack kannst du zusätzlich Pastinake, Petersilienwurzel oder anderes Suppengemüse verwenden.
Zubereitung
- Das Huhn beziehungsweise die Hühnerteile in einen großen Topf geben und mit kaltem Wasser bedecken.
- Langsam erhitzen. Wenn sich oben Schaum bildet, kannst du ihn mit einer Schaumkelle abschöpfen.
- Das Gemüse grob schneiden und zusammen mit Kräutern und Gewürzen hinzufügen.
- Die Brühe bei niedriger bis mittlerer Hitze sanft köcheln lassen. Ich gebe ihr gern zwei Stunden Zeit.
- Anschließend das Huhn herausnehmen. Das Fleisch vom Knochen lösen und später wieder zur Suppe geben.
- Die Brühe abschmecken. Du kannst sie entweder direkt mit Gemüse und Fleisch servieren oder
durch ein Sieb geben und als klare Kraftbrühe verwenden.
Was ist mit Lorbeer in der Schwangerschaft?
Früher habe ich empfohlen, Lorbeer in der Schwangerschaft vollständig wegzulassen, weil er Wehen auslösen könne.
So pauschal würde ich das heute nicht mehr formulieren. Für Lorbeer als normales Küchengewürz gibt es keine gute
Grundlage für die Behauptung, dass die kleinen üblichen Mengen in Lebensmitteln zuverlässig Wehen auslösen.
Anders sieht es bei hoch konzentrierten pflanzlichen Präparaten
oder ätherischen Ölen aus – hier würde ich in der Schwangerschaft grundsätzlich vorsichtiger sein.
Wenn du unsicher bist, kannst du Lorbeer natürlich problemlos weglassen.
Die Suppe schmeckt auch ohne ihn gut.
Mein Tipp: gleich einen großen Topf kochen
Wenn ich Hühnersuppe koche, mache ich selten nur zwei Portionen.
Der Aufwand ist fast derselbe, egal ob der Topf halb oder ziemlich voll ist.
Deshalb koche ich lieber mehr und friere einige Portionen ein.
Das ist besonders praktisch:
im Wochenbett,
an stressigen Tagen,
wenn jemand krank wird
oder wenn man abends einfach keine Lust mehr hat zu kochen.
Dann wartet der helfende Engel schon im Gefrierfach.
Wann reicht Hühnersuppe nicht?
Eine Erkältung verschwindet normalerweise von selbst.
Hühnersuppe kann die Zeit angenehmer machen und den Körper mit Flüssigkeit und Nahrung versorgen.
Bei folgenden Beschwerden sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden:
- Atemnot,
- sehr hohem oder länger anhaltendem Fieber,
- starken Schmerzen,
- deutlicher Kreislaufschwäche,
- Verwirrtheit
- oder einer starken Verschlechterung
sollten die Beschwerden allerdings medizinisch abgeklärt werden.
Eine Influenza kann wesentlich schwerer verlaufen als eine gewöhnliche Erkältung.
Mein Fazit
Hühnersuppe gehört für mich zu den Hausmitteln, bei denen Tradition und Alltag wunderbar zusammenkommen.
Sie wärmt.
Sie versorgt uns mit Flüssigkeit.
Sie liefert Eiweiß und – je nach Rezept – viel Gemüse.
Und es gibt sogar erste wissenschaftliche Hinweise darauf, dass bestimmte Bestandteile
einer Hühnersuppe entzündliche Prozesse beeinflussen könnten.
Für mich ist sie besonders im Wochenbett und an kalten Erkältungstagen ein Essen, zu dem ich immer wieder gern zurückkehre.
Vielleicht liegt ihre Stärke gerade darin, dass sie nichts Exotisches braucht.
Einen Topf.
Ein paar gute Zutaten.
Zeit.
Und Ruhe.
Manchmal schmeckt Fürsorge einfach wie eine warme Schüssel Suppe.