Holunderbeersaft bei Erkältung

HELFENDE ENGEL


Der helfende Engel – Holunderbeersaft bei Erkältung

Von Michaya Angel · 16. Februar 2021 · ca. 10 Min. Lesezeit


Wärme für kalte Tage.
Pflanzenkraft entdecken.
Dem Körper etwas Gutes tun.


Darum geht es in diesem Text

  • Holunderbeersaft
  • Fliederbeersaft
  • Erkältung
  • Immunsystem
  • Anthocyane
  • Vitamin C
  • Halskratzen
  • Heißgetränk
  • Hausmittel
  • Herbst & Winter

wenn draußen die Temperaturen sinken, beginnt für viele auch wieder die Zeit von:

kratzigem Hals,
laufender Nase,
Husten und diesem unangenehmen Gefühl, dass eine Erkältung im Anmarsch ist.

Gerade in Herbst und Winter verbringen wir außerdem viel Zeit in beheizten Räumen.
Die trockene Raumluft kann unsere Schleimhäute austrocknen – und genau diese Schleimhäute
gehören zu den ersten Schutzbarrieren unseres Körpers.

In dieser Jahreszeit greife ich deshalb besonders gern zu einem meiner liebsten Hausmittel:

Holunderbeersaft.

Oder, wie er regional auch genannt wird:

Fliederbeersaft.

Dunkelviolett, fruchtig-herb und warm getrunken ist er für mich inzwischen fast ein kleines Herbstritual.

Doch Holunderbeeren sind nicht nur wegen ihres Geschmacks interessant. In ihnen stecken zahlreiche Pflanzenstoffe,
die auch wissenschaftlich genauer untersucht werden.


Was steckt eigentlich in Holunderbeeren?

Die dunkle Farbe verrät bereits einen ihrer interessantesten Bestandteile:

Anthocyane.

Das sind Pflanzenfarbstoffe aus der Gruppe der Polyphenole. Sie verleihen den Beeren ihre tiefviolette bis beinahe schwarze Farbe
und besitzen antioxidative Eigenschaften.

Holunderbeeren sind besonders reich an diesen Pflanzenstoffen. Untersuchungen beschreiben Anthocyane
als einen wesentlichen Anteil ihrer Polyphenole. Außerdem enthalten Holunderbeeren verschiedene Vitamine und Mineralstoffe.

Dazu gehört auch Vitamin C.
Damit ist Holunderbeersaft für mich vor allem eines:

ein nährstoffreiches Lebensmittel, das wunderbar in die kalte Jahreszeit passt.

Was Holunder so besonders macht



Anthocyane geben ihm seine tiefdunkle Farbe.
Polyphenole gehören zu seinen interessanten Pflanzenstoffen.
Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.



Und warm getrunken empfinde ich Holunderbeersaft besonders bei kaltem Wetter als wohltuend.


Kann Holunder bei Erkältung helfen?

Genau hier wird es spannend. Holunder wird schon lange traditionell bei Erkältungen
und grippalen Beschwerden verwendet.
Und inzwischen gibt es auch erste wissenschaftliche Untersuchungen dazu.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Holunderpräparate möglicherweise die 
Dauer oder Stärke von Erkältungs- und Grippesymptomen verringern können.

Allerdings waren viele dieser Studien klein. Eine systematische Übersichtsarbeit kommt deshalb zu dem Ergebnis,
dass ein möglicher Nutzen vorhanden sein könnte, die Sicherheit dieser Aussage aber noch begrenzt ist.

Auch das amerikanische NCCIH bewertet die bisherigen Ergebnisse als vorläufig, aber interessant.
Für mich bedeutet das:

Ich muss Holunderbeersaft nicht zum Wundermittel erklären, um ihn als Hausmittel zu schätzen.

Warum ich Holunderbeersaft warm trinke

Wenn mein Hals kratzt oder ich einfach durchgefroren bin, trinke ich Holunderbeersaft am liebsten warm.
Allein die Wärme empfinde ich dabei schon als angenehm.

Ein warmes Getränk kann einen gereizten Hals beruhigen und hilft gleichzeitig dabei,
ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen.

Ich erwärme den Saft nur sanft und gebe anschließend gern etwas Honig hinein. So entsteht ein wunderbar dunkles,
fruchtiges Getränk, das besonders an kalten Abenden fast schon etwas von einem kleinen Ritual hat.


Holunder und das Immunsystem

Holunder wird häufig als „Immunbooster“ bezeichnet.

Mit solchen Begriffen bin ich inzwischen etwas vorsichtiger.
Unser Immunsystem besitzt schließlich keinen simplen Ein-Aus-Schalter.

Aber:

Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert dem Körper die Nährstoffe, die er für seine normalen Funktionen benötigt.
Vitamin C trägt beispielsweise zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Und die Polyphenole des Holunders sind wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften wissenschaftlich interessant.

Deshalb sehe ich Holunderbeersaft nicht als magischen Schutzschild, sondern als
nährstoffreiches Lebensmittel, das gut in eine ausgewogene Ernährung passt.


Was hat es mit den Anthocyanen auf sich?

Anthocyane gehören zu den Stoffen, die mich am Holunder besonders faszinieren.

Sie kommen auch in:

  • Heidelbeeren,
  • Brombeeren,
  • schwarzen Johannisbeeren und anderen dunkel gefärbten Pflanzen vor.

Sie gehören zu den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen.
Im Labor zeigen sie antioxidative Eigenschaften und werden deshalb in
verschiedenen Bereichen der Ernährungsforschung untersucht.

Das bedeutet allerdings nicht:
Ein Glas Holundersaft verhindert nicht automatisch Krankheiten oder altersbedingte Veränderungen.

Aber es ist ein weiterer guter Grund, regelmäßig verschiedenfarbiges Obst und Gemüse auf den Speiseplan zu setzen.

Je dunkler die Beere …



Die intensive Farbe des Holunders entsteht durch seine Anthocyane.

Diese Pflanzenstoffe gehören zu den Polyphenolen und stehen wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften im Mittelpunkt zahlreicher Untersuchungen.



Die dunkle Farbe ist also weit mehr als nur hübsch anzusehen.


Holunderbeersaft in der Schwangerschaft

Ich selbst habe während meiner Schwangerschaft gerade in den Wintermonaten gern Holunderbeersaft getrunken.
Heute würde ich dabei allerdings zwischen einem normalen Lebensmittel und hoch dosierten Holunderpräparaten unterscheiden.

Für konzentrierte Holunderextrakte und Nahrungsergänzungsmittel gibt es bislang zu wenig Daten, um ihre Sicherheit während Schwangerschaft
und Stillzeit zuverlässig beurteilen zu können.

Wenn du schwanger bist und Holunder gezielt therapeutisch oder in größeren Mengen verwenden möchtest,
würde ich deshalb vorher mit Hebamme oder Arzt darüber sprechen.


Und bei Eisenmangel?

Früher wurde Holunderbeersaft teilweise auch bei Eisenmangel empfohlen. Das liegt wahrscheinlich unter anderem daran,
dass Vitamin C die Aufnahme von pflanzlichem Eisen verbessern kann.

Holunderbeersaft selbst würde ich aber nicht als Behandlung eines Eisenmangels bezeichnen.
Ein diagnostizierter Eisenmangel sollte gezielt behandelt und kontrolliert werden.

Als Bestandteil einer Mahlzeit kann Vitamin-C-haltiges Obst oder ein entsprechendes Getränk die Eisenaufnahme
aus pflanzlichen Lebensmitteln aber unterstützen.


Ist Holunder harntreibend und „entgiftend“?

Holunder wird traditionell eine harntreibende Wirkung zugeschrieben.

Dadurch kann die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren angeregt werden.
Gerade wenn wir erkältet sind und ausreichend trinken, unterstützt das den normalen Flüssigkeitshaushalt
und die Ausscheidungsprozesse des Körpers.

Ich würde allerdings nicht sagen, dass Holunder Erkältungsviren einfach „ausspült“. Diese Viren vermehren sich hauptsächlich
in den Atemwegen und werden vom Immunsystem bekämpft.

Trotzdem ist ausreichende Flüssigkeit während einer Erkältung wichtig:
Sie schützt vor Austrocknung und kann dazu beitragen, zähen Schleim flüssiger zu halten.

Bei den Harnwegen ist der Gedanke des ‚Durchspülens‘ etwas näherliegender: Eine gute Flüssigkeitszufuhr erhöht den Urinfluss
und kann dazu beitragen, Bakterien aus den Harnwegen mit auszuschwemmen. Eine bestehende Harnwegsinfektion wird dadurch allerdings
nicht zuverlässig behandelt und kann je nach Beschwerden medizinische Behandlung benötigen.

Für mich gehört deshalb vor allem eines zu jeder Erkältungszeit:
viel trinken, warm halten und dem Körper Zeit geben.


Holunder bei Halsschmerzen

Gerade bei einem trockenen oder gereizten Hals mag ich warmen Holunderbeersaft sehr gern.

Nicht, weil er eine Halsentzündung einfach wegzaubert.

Sondern weil:

die Flüssigkeit,
die Wärme
und – wenn ich ihn verwende – etwas Honig sich angenehm anfühlen können.

Manchmal braucht ein kratziger Hals genau solche einfachen Dinge.

Vorsicht bei rohen Holunderbeeren

Hier gibt es einen Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte.

Rohe oder unreife Holunderbeeren sollten nicht einfach in größeren Mengen gegessen werden.

Auch Blätter und Stängel des Holunders enthalten Stoffe, aus denen im Körper Blausäure entstehen kann.

Das kann unter anderem:

  • Übelkeit,
  • Erbrechen
  • und Durchfall

verursachen.

Durch ausreichendes Erhitzen werden diese problematischen Stoffe weitgehend abgebaut. Deshalb verwende ich für Getränke entweder einen fertigen,
entsprechend verarbeiteten Holunderbeersaft oder erhitze selbst hergestellten Saft ausreichend.


Mein Lieblingsgetränk mit Holunderbeersaft

Wenn es draußen kalt wird, mache ich es ganz einfach.

Du brauchst:

250 ml Holunderbeersaft / optional etwas Wasser, wenn dir der Geschmack zu kräftig ist
1 TL Honig

Zubereitung

Den Holunderbeersaft langsam bei mittlerer Hitze erwärmen.
Anschließend kurz abkühlen lassen und nach Geschmack etwas Honig einrühren.

Dann:
Eine Decke holen, die Tasse in beide Hände nehmen und ein paar Minuten nichts tun.

Manchmal darf Gesundheitsvorsorge auch gemütlich sein.


Wo bekommt man Holunderbeersaft?

Holunderbeersaft findest du häufig:

  • im Biomarkt,
  • im Reformhaus,
  • in größeren Supermärkten oder saisonal auch bei Discountern.

Ich würde möglichst auf einen Saft mit hohem Fruchtanteil achten und darauf, ob zusätzlich Zucker zugesetzt wurde.
Da Preise und Sortimente sich ständig ändern, lohnt es sich, verschiedene Anbieter zu vergleichen.


Wann reicht ein Hausmittel nicht mehr?

Bei einer gewöhnlichen Erkältung können Wärme, Flüssigkeit und Ruhe wunderbar begleiten.

Wenn allerdings:

  • hohes oder länger anhaltendes Fieber,
  • Atemnot,
  • starke Schmerzen,
  • eine deutliche Verschlechterung
  • oder ungewöhnlich lang anhaltende Beschwerden dazukommen,

sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden. Gerade eine echte Influenza kann wesentlich
heftiger verlaufen als eine gewöhnliche Erkältung.


Mein Fazit

Holunderbeersaft gehört für mich besonders im Herbst und Winter zu diesen kleinen Dingen, die sofort Gemütlichkeit ausstrahlen.

Seine tiefdunkle Farbe.
Der herb-fruchtige Geschmack.
Die Wärme einer Tasse in den Händen.
Und gleichzeitig stecken in den Beeren interessante Pflanzenstoffe, die inzwischen auch wissenschaftlich untersucht werden.

Erste Studien lassen vermuten, dass Holunderpräparate Erkältungs- und Grippesymptome
lindern oder verkürzen könnten – auch wenn wir darüber noch längst nicht alles wissen.

Für mich muss er deshalb kein „Wundermittel“ sein. Ich mag ihn gerade als das, was er ist:

ein traditionsreiches, dunkles Beerengetränk, das Wärme, Pflanzenstoffe und ein kleines Stück Herbst in die Tasse bringt.

Und damit hat sich auch der Holunder seinen Platz unter meinen helfenden Engeln verdient.

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