Hat unser Leiden einen Grund?

Hat unser Leiden einen Grund?

Englisch Version below

Wie viele Menschen habe auch ich mich oft gefragt, warum wir so viel Leid ertragen müssen. Hat es einen höheren Sinn? Könnte man es wirklich vermeiden, wenn man ein absolut tadelloses Leben führen würde?
Ich habe unzählige Antworten bekommen:
Einige spirituelle Menschen sagten mir, es liege am schlechten Karma aus früheren Leben. Christen würden sagen, es sei die Konsequenz einer begangenen Sünde.
Andere behaupteten, Gott oder das Universum wollten, dass wir aus dem Leiden etwas lernen.
Es gab sogar jemanden, der behauptete, dass unsere Seele, bevor sie in diese Welt inkarniert, darum gebeten hat, die schlechten Erfahrungen zu machen, die ihr in dieser Welt widerfahren, damit sie daran wachesen kann.
Also kurz gesagt, wir sind immer selbst schuld an den äußeren Umständen.
Für mich ergibt das alles keinen Sinn. Ich fände es ziemlich anmaßend, jemandem zu sagen, dass er seine Probleme selbst verursacht hat, obwohl ich das nicht beurteilen kann.

Was sagt die Bibel zum Thema Leiden? Im Alten Testament gibt es eine Geschichte über einen Mann namens Hiob, der plötzlich von Leid heimgesucht wurde.

Worum geht es im Buch Hiob?

Kurz zusammengefasst geht es um einen rechtschaffenen Mann namens Hiob, der ein gottesfürchtiges Leben führt. Trotzdem verliert er alles: seine Familie, seine Gesundheit, seinen Reichtum und seinen Besitz.

Als ich diese Geschichte las, fragte ich mich sofort, warum ausgerechnet Hiob so viel Pech hatte. Die Antwort habe ich in Hiob 2,3 gefunden:

„Und der HERR sprach zu Satan: Hast du acht gehabt auf meinem Knecht Hiob? Denn es gibt keinen wie ihn auf Erden, – ein Mann so rechtschaffen und redlich, der Gott fürchtet und das Böse meidet! Und noch hält er fest an seiner Rechtschaffenheit. Und dabei hattest du mich gegen ihn aufgereizt, ihn ohne Grund zu verschlingen“

Mit anderen Worten: Leid kann auch grundlos über uns hereinbrechen.

Handelt Gott etwa rein willkürlich?

In diesem „ohne Grund“ hören wir sofort auch etwas Willkür heraus. Es klingt total ungerecht. Aber genau darum geht es im Buch Hiob. Die Geschichte stellt nicht Gottes Gerechtigkeit hervor, sondern die Ungerechtigkeit des Leidens. Es ist nicht Gottes Wille, dass wir leiden und es ist auch keine Prüfung unseres Glaubens, die wir bestehen müssen. Das Leid bricht einfach über uns Menschen herein, deshalb sollte sich niemand anmaßen, ein Urteil zu fällen, vor allem dann nicht, wenn wir die Menschen nicht kennen oder in der Situation waren. Diese Welt ist unvollkommen. Katastrophen geschehen, Menschen sind ungerecht und handeln deswegen willkürlich. Meistens ist das Leid eine Verkettung von Konsequenzen, die wir nicht immer zu verantworten haben. Nur wir können durch Selbstreflexion beurteilen, ob wir daran beteiligt waren oder nicht. Den Vorwurf des schlechten Karmas können wir getrost von uns weisen. Auch Hiobs Freunde unterstellen ihm, dass er den Zorn Gottes auf sich gezogen haben muss und dies der Grund für sein Unglück sei. Doch keiner von ihnen konnte es genau beurteilen.
Wenn wir genau hinschauen, hat dieses „ohne Grund“ etwas Positives. Es ist ein Freispruch Gottes für Hiob. Er wendet sich nicht von ihm ab, im Gegenteil, er steht zu ihm! Er bestätigt damit, dass Hiob keine Schuld trifft und es keinen Grund für eine Verurteilung gibt. Das Leid hat ihn, neutral betrachtet, grundlos getroffen.

Wenn ich sowieso nicht vor Leid bewahrt werde, ist es egal, was ich tue.

Ein guter Lebensstil gibt uns viel Kraft in Zeiten des Leidens. Meistens sind es Familie und Freunde, die uns unterstützen. Und selbst wenn sich die ganze Welt gegen uns verschworen hat, wie es bei Hiob der Fall war, so wusste er doch wenigstens, dass er an seinem Leid nicht beteiligt war. Und nur weil wir nicht vor Schicksalsschlägen oder Unglück bewahrt werden, heißt das nicht, dass wir zu einem traurigen Leben verdammt sind.

In Jakobus 5,11 heißt es: „Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört und den Abschluss des Herrn gewahrt, da der Herr voll innerstem Erbarmen und mitleidig ist“

Auch wenn Gottes Gegenwart in Hiobs Leiden nicht sichtbar war, so war er doch die ganze Zeit bei ihm. Nicht das Leiden war entscheidend, sondern das Ende des Leidens. Gottes Gnade war größer als alles, denn Hiobs Schicksal wurde gewendet und er konnte ein neues, glückliches Leben aufbauen.

In Römer 8,18 heißt es: „Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“

Das heißt, wir sind vor Leiden nicht gefeit, und leider heißt es oft durchzuhalten. Auch wenn Gott uns in unserem Leid sieht, ändert sich unsere Situation nicht schlagartig. Das hat nichts mit dieser Phrase zu tun:


Manchmal ändert Gott unsere Situation nicht, weil er unser Herz ändern will.


Dann müsste er jedem, der etwas Böses tut oder unbarmherzig ist, eine Reihe schlimmer Situationen schicken. Und selbst in Zeiten des größten Leidens ändern sich viele Menschen nicht zum Besseren, im Gegenteil, leider verhärtet das Leiden viele Herzen.

Es hat auch nichts damit zu tun, dass wir ohne das Leid die guten Zeiten nicht zu schätzen wüssten. Es gibt so viele Menschen, die dankbar und glücklich für ihr Leben sind. Außerdem berichtet die Bibel darüber, dass es in der neuen Welt nichts Böses mehr geben wird. Das würde ja bedeuten, dass die Menschen dort chronisch undankbar und deshalb unzufrieden wären.
Gott bekämpft nicht oberflächlich die Symptome des Bösen, sondern packt es an der Wurzel, und das braucht Zeit. Aber die Ausdauer wird belohnt. Spätestens in der neuen Welt.

Und was ist, wenn ich selbst schuld an meinem Leiden bin?

Dann siehe es als Lektion und mache es beim nächsten Mal besser. Es hat keinen Sinn, sich auf ewig zu verdammen, Gott wird es auch nicht tun. Wichtig ist die Einsicht.

Ist Gott überhaupt auf meiner Seite, wenn er mich nicht vor Leid bewahrt?

Das Problem ist das Gottesbild, das uns von außen vermittelt wird. Oft wird er uns als strafender Rachegott vorgestellt, oder wir verfallen in das andere Extrem, das uns den Glauben so darstellt, dass alles so wunderbar ist, dass man das Leid mit Freude ertragen kann. Das Leiden wird sogar verharmlost und uns bestenfalls als etwas Schönes verkauft. Hiob zeigt uns, dass weder das eine noch das andere der Fall ist. Das wäre auch nicht gesund. Leiden ist weder schön noch leicht zu ertragen. Gott steckt auch nicht dahinter oder schickt es uns aus Groll. Das behaupteten auch Hiobs Freunde, die überzeugt waren, er müsse Gottes Zorn heraufbeschworen haben. Aber Hiob 47,7-8 sagt genau das Gegenteil:

„Und es geschah, nachdem der HERR jene Worte zu Hiob geredet hatte, da sprach der HERR zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde: Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet wie mein Knecht Hiob. Und nun nehmt euch sieben Stiere und sieben Widder und geht zu meinem Knecht Hiob und opfert ein Brandopfer für euch! Und Hiob, mein Knecht, soll für euch Fürbitte tun.“

Auch der Teufel hat das Leid nicht völlig in der Hand. Das Leid ist durch den Sündenfall einfach da und hat seinen eigenen Platz in dieser Welt. Wenn, dann nutzt er es, damit wir eine schlechte Entscheidung fällen.
Gott wendet sich im Leid nicht von uns ab. Auch wenn wir Gott nicht sehen können, ist er in jedem Augenblick bei uns. Entweder erscheint er uns in Gestalt vertrauter Personen oder es ist dieses leise Flüstern in uns, das uns ermutigt durchzuhalten. Gott erwartet von uns nicht, dass wir das Leid mit Freude empfangen oder mit positiven Gedanken ertragen. Hiob selbst hatte keine Freude in seinem Leid, aber in Hiob 2,10 bekommen wir einen kleinen Hinweis, wie wir mit unserem Leid umgehen sollen:

„Er aber sagte zu ihr: Wie eine der Törinnen redet, so redest auch du. Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch annehmen?“

Mit anderen Worten: Wir sollen das Leid akzeptieren. Akzeptieren heißt nicht, es gut zu finden. Es bedeutet nur, dass wir die Situation im Moment nicht ändern können. Es bedeutet aber auch, dass dieser Moment nicht ewig andauert und uns auch wieder bessere Zeiten erwarten.

Also, halte durch, ich weiß, du schaffst das.

Is there a reason for our suffering?

Like many people, I have often asked myself, why we have to endure so much suffering. Does it have a higher purpose? Could we really avoid it, if we lived an absolutely blameless life?
I have received countless answers:
Some spiritual people told me, it was because of bad karma from previous lives. Christians would say, it was the consequence of a sin committed.
Others claimed, that God or the universe want, that we learn something from suffering.
There was even someone, who claimed, that our soul, before incarnating into this world, asked to have the bad experiences that happen to it in this world, so that it can grow from them.
To summarise, we are always to blame for external influences.
None of this makes sense to me. I would find it rather rude, to tell someone, that they have caused their own problems, even though I am not in a position to judge.

What does the Bible say about suffering? There is a story in the Old Testament about a man called Job who was suddenly afflicted by suffering.

What is the book of Job about?

In a nutshell, it is about a righteous man named Job who leads a god-fearing life. Nevertheless, he loses everything: his family, his health, his money and his possessions.

When I read this story, I immediately asked myself why Job, of all people, has so many bad luck. I found the answer in Job 2:3:

„And the LORD said unto Satan, Hast thou considered my servant Job, that there is none like him in the earth, a perfect and an upright man, one that feareth God, and escheweth evil? and still he holdeth fast his integrity, although thou movedst me against him, to destroy him without cause.“

In other words: suffering can also befall us for no reason.

Does God act purely randomly?

In this „without cause“ we immediately hear something random behavior. It sounds totally unjust. But that is exactly what the book of Job is about. The story doesn’t show God’s justice, but the injustice of suffering. It isn’t God’s will, that we suffer and it isn’t a test of our faith, that we have to pass. Suffering simply befalls us humans, so no one should presume to pass judgement, especially if we don’t know the person or have been in the situation. This world is not perfect. Disasters happen, people are unjust and therefore act randomly. Most of the time, suffering is a chain of consequences for which we are not always responsible. Only we can judge through self-reflection, whether we were involved or not. We can confidently reject the accusation of bad karma. Job’s friends also suggested, that he must have incurred the wrath of God and that this was the reason for his disasters. But none of them could judge for sure.
If we look closely, there is something positive about this „without cause“. It is God’s acquittal of Job. He doesn’t leave him, on the contrary, he stands by him! He confirms, that Job is not to blame and that there is no reason for judgement. From a neutral point of view, the suffering has hit him for no reason.

If I am not saved from suffering anyway, it doesn’t matter what I do.

A good lifestyle gives us a lot of power in times of suffering. Most of the time, it is family and friends who help us. And even if the whole world is conspiring against us, as was the case with Job, at least he knew, that he wasn’t involved in his suffering. And just because we are not saved from misfortune or misfortune, it doesn’t mean, that we are damned to a sad life.

In James 5:11 it says: „Behold, we count them happy which endure. Ye have heard of the patience of Job, and have seen the end of the Lord; that the Lord is very pitiful, and of tender mercy“

Even though God’s presence was not visible in Job’s suffering, he was with him the whole time. It wasn’t the suffering that was decisive, but the end of the suffering. God’s grace was greater than everything, because Job’s fate was turned around and he was able to build a new, happy life.

Romans 8:18 says: „For I reckon that the sufferings of this present time are not worthy to be compared with the glory which shall be revealed in us.“

This means, that we are not immune to suffering, and unfortunately we often have to keep going. Even if God sees us in our suffering, our situation doesn’t change abruptly. This has nothing to do with this phrase:

Sometimes God doesn’t change our situation, because he wants to change our heart.

Then he would have to send a series of bad situations to everyone, who does something bad or is unmerciful. And even in times of greatest suffering, many people don’t change for the better; on the contrary, unfortunately, suffering hardens many hearts.

It also has nothing to do with the fact, that without suffering we wouldn’t value the good times. There are so many people who are grateful and happy for their lives. Furthermore, the Bible tells us, that there will be no more evil in the new world. That would mean, that the people there would be chronically ungrateful and therefore unhappy.
God doesn’t fight the symptoms of evil superficially, but gets to the root of it, and that takes time. But perseverance will be rewarded. At the latest in the new world.

And what if my suffering is my own fault?

Then take it as a learning lesson and do better next time. There’s no sense in damning yourself forever, God won’t do it either. The important thing is to recognise this.

Is God even on my side, if he does not protect me from suffering?

The problem is the image of God, that is presented to us from the outside. He is often presented to us as a punishing God of revenge, or we fall into the other extreme, which presents us with the faith, that everything is so wonderful, that we can endure suffering with joy. Suffering is even downplayed and at best sold to us as something beautiful. Job shows us, that neither the one nor the other is the case. That wouldn’t be healthy either. Suffering is neither beautiful nor easy to bear. Nor is God behind it or sends it to us out of anger. Job’s friends, who were sure. that he must have provoked God’s anger. But Job 47:7-8 says exactly the opposite:

„And it was so , that after the LORD had spoken these words unto Job, the LORD said to Eliphaz the Temanite, My wrath is kindled against thee, and against thy two friends: for ye have not spoken of me the thing that is right, as my servant Job hath . Therefore take unto you now seven bullocks and seven rams, and go to my servant Job, and offer up for yourselves a burnt offering; and my servant Job shall pray for you.“

Even the devil is not completely in control of suffering. Suffering is simply exsist, because of the Fall of Man and has the own place in this world. If he does, then he uses it to make us make a bad decision.
God doesn’t turn away from us in suffering. Even if we cannot see God, he is with us at every moment. He either appears to us in the form of familiar people or it is this quiet whisper within us, that motivates us to hold on. God doesn’t expect us, to receive suffering with joy or to endure it with positive thoughts. Job himself didn’t have joy in his suffering, but in Job 2:10 we get a little clue as to how we should deal with our suffering:

„But he said unto her, Thou speakest as one of the foolish women speaketh. What? shall we receive good at the hand of God, and shall we not receive evil?“

In other words: We should accept suffering. Accepting doesn’t mean, to find it good. It just means, that we cannot change the situation at the moment. But it also means that this moment won’t last forever and that better times await us again.

So, hold on, I know you can do it.

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