Frohe Botschaft oder Drohbotschaft?

Frohe Botschaft oder Drohbotschaft?

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Ist der Glaube eine Vorrausetzung, um ins Paradies zu gelangen? Verdammt Gott uns auf ewig, wenn wir es nicht tun? Schließlich ist der Mensch von Geburt an schlecht und kann ihm sowieso nichts recht machen. In Jesus Christus streckt er uns die Hand entgegen, obwohl wir es nicht verdient hätten und nicht mal die wollen wir ergreifen. Und dann fangen wir an zu nörgeln, dass es ungerecht ist, dass wir diese Leistung erbringen müssen. Dann haben wir es einfach nicht verdient ins Paradies zu kommen, schließlich wäre es doch so einfach, oder? 

Genau dieses Gottesbild wird in vielen Kirchen, besonders in freikirchlichen Kreisen gelehrt. 

Ist das wirklich Gottes Gerechtigkeit?

In Römer 3,22 heißt es „Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben.“

Dieser Vers wird häufig als Begründung missbraucht, dass Gottes Gerechtigkeit nur durch Glauben entstehen kann. Es handelt sich hier um ein Angebot, was nur für gläubige Menschen gilt, nein noch viel besser, nur für Christen. Der Glaube steht also im Kontrast zum Unglauben. Dabei wird der Unglaube hier mit keinem Wort erwähnt! Trotzdem wird behauptet, dass das Opfer, was Jesus für uns am Kreuz erbracht hat, kein Geschenk ist, sondern an eine Bedingung geknüpft ist. Es geht um Leistung und Gegenleistung. Natürlich wird das von Hölle-Befürwortern bestritten und es wird sich dann irgendwie zurechtgewurschtelt, warum das etwas ganz anderes ist, aber es bleibt nun mal Fakt. 

Geht es in diesem Vers wirklich um eine Himmel und Hölle Einteilung oder ist etwas ganz anderes gemeint?

Bei solchen Fragen lohnt es sich immer einen Blick in den Grundtext zu werfen. Das Konkordante Neue Testament wurde sehr nahe am Grundtext übersetzt und sagt folgendes über diese Bibelstelle:

„Gerechtigkeit Gottes aber durch den Glauben Jesu Christi, die für alle ist und auf alle Glaubenden kommt. Denn da ist kein Unterschied.
Röm 3,22 KNT

Es steht hier also der Glaube Jesu Christ im Mittelpunkt, denn es wird nicht gesagt den «Glauben an», sondern den «Glauben von» (im Grundtext steht hier ein Genitiv). Denn in seinem Glauben ging Er den Weg des Gehorsams ans Kreuz (Phil 2,8). Durch Ihn wurde Gottes Gerechtigkeit bewirkt. Das wird uns hier vorgestellt.

Was ist dann aber mit alle Glaubenden gemeint?

Die Himmel und Hölle Lehre versucht uns glaubhaft zu machen, dass wir in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die eine Gruppe ist die, die Gott gnädig gestimmt ist, weil sie glauben. Die andere Gruppe ist dann die, die in Ungnade gefallen ist, weil sie es nicht tun. Und da spielt es dann auch für Gott keine Rolle, ob man einfach nur ehrlich sein möchte und klar zugibt, dass man den Glauben nicht fühlt oder schlichtweg nicht glauben möchte. Es ist auch egal, ob man in einem Land lebt, in dem der Glaube unter Todesstrafe zählt, ob man noch nie etwas von Gott und seinem Evangelium gehört hat oder ob man so schreckliche Dinge im Leben erfahren hat und man deswegen Gott den Rücken gekehrt hat. Den geistlichen Missbrauch, den einige Christen in ihren Gemeinden und auf social Media vollziehen, wollen wir gar nicht erst erwähnen.

Um die Himmel und Hölle Lehre zu bestärken wird auch nicht davor zurückgeschreckt, willkürlich Bibeltexte zu zitieren, die völlig aus dem Kontext gerissen sind. Hauptsache man kann andere ausschließen und behaupten, dass Christen ein Exklusivrecht an Gott und seiner Gnade hätten.

Folgendes schließen wir aus dieser Lehre. Wer etwas anderes oder nicht glaubt, wird von Gott verstoßen und hat auch keinen Anspruch auf seine Gnade. Der Glaube ist mein Werk, den ich dazu beitragen muss, um seine Gunst zu gewinnen. Wer diesen Beitrag nicht leistet, warum auch immer, hat sich die ewige Verdammnis in die Hölle selbst zuzuschreiben. 

Das dies eine fromm getarnte Selbstgerechtigkeit ist, wird natürlich bestritten.

Worum geht es in dem Römerbrief wirklich? 

Paulus spricht zu einer Gemeinde in Rom. Dort sind zwei Gruppen anwesend, nämlich Juden und Nichtjuden. Das geht aus den vorherigen Versen hervor. Die Juden kannten das Gesetz vom Alten Testament (Speisegebote, Beschneidungen, etc.) und lebten danach. Die anderen Nationen kannten das nicht und das führte zu Unruhen in dieser Gemeinde. Paulus erklärt den Juden dort, warum dieses Gesetz existiert, und wie es sich mit Gottes Gerechtigkeit verhält.

Es geht hier also nicht um Glaube oder Unglaube oder um die gesamte Menschheit, sondern nur um die Gemeinde in Rom. Es macht keinen Unterschied, ob sie Juden oder nicht Juden sind, sondern Gottes Gerechtigkeit kommt auf alle Glaubenden (und nicht nur auf die, die das Gesetzt exakt befolgen! Die Pharisäer hatten das auch getan und standen trotzdem nicht höher in Gottes Gunst).

Der Fokus liegt hier nicht auf Glauben, denn das kann man in der Gemeinde voraussetzen, sondern auf alle.

Das ist der Zusammenhang, wie ihn der Kontext darlegt. Das jetzt auf die gesamte Menschheit auszudehnen ist ein böser Fehler. Paulus bezweckte lediglich die Erweiterung der verengten Sichtweise mancher jüdischen Glaubenden und die Gleichstellung aller Glaubenden untereinander. Die Andichtung, dass Ungläubige eine  endlose Ewigkeit in höllischen Qualen verbringen müssen, ist ein Irrtum. 

Good news or threatening message?

Is faith a necessary prerequisite to enter the paradise? Does God damn us forever, if we do not? After all, the human being is bad from birth and can’t do anything right. In Jesus Christ, he reaches out to us, even though we don’t deserve it, and we don’t even want to take his hand. And then we start to nag that it is unfair, that we have to make this achievement. Then we just don’t deserve to go to paradise, after all it would be so easy, wouldn’t it?

This is exactly the image of God that is being taught in many churches, especially in free church circles. Is this really God’s justice?

Romans 3:22 says „But God’s righteousness through faith in Jesus Christ to everyone who believes.“

This verse is often misused as a reason, that God’s righteousness can only come through faith. This is an offer, which is only valid for believing people, much better, only for Christians. So faith stands in contrast to unbelief. Unbelief isn’t mentioned here with any word! Nevertheless, it is said, that the sacrifice that Jesus made for us on the cross isn’t a gift, but is attached to a requirement. It is a matter of performance and return. Of course, this is denied by supporters of hell and then somehow it is made right, why this is something completely different, but it remains a fact.

Is this verse really about a heaven and hell division or is something he meant something else?

With such questions it is always worthwhile to take a look at the basic text. The Concordant New Testament has been translated very close to the basic text and says the about this Bible passage:

„But the righteousness of God through the faith of Jesus Christ, which is for all, and cometh upon all them that believe. For there is no difference.“

So here the faith of Jesus Christ is in the focus, because it is not said the „faith in„, but the „faith of“ (in the basic text there is a genitive here). Because in his faith he went the way of obedience to the cross (Phil 2:8). Through Him, God’s righteousness was worked out. This is what is presented to us here.

But what is meant by all believers?

The heaven and hell teaching tries to make us believe, that we are divided into two groups. One group is those who are graced to God, because they believe. The other group is then those who have fallen from grace, because they don’t. And then it doesn’t matter to God whether you just want to be honest and clearly admit, that you don’t feel the faith or simply don’t want to believe. It also doesn’t matter if you live in a country where faith is punishable by death, if you have never heard of God and his holy gospel, or if you have experienced such terrible things in life and have turned your back on God because of it. We won’t even mention the spiritual abuse, that some Christians do in their churches and on social media.

That this is a saintly masked self-righteousness is of course denied.

So what is the Letter to the Romans really about?

Paul is speaking to a church in Rome. There are two groups present, Jews and non-Jews. This is shown in the previous verses. The Jews knew the law from the Old Testament (food commandments, circumcisions, etc.) and lived by it. The other nations didn’t know it and that caused unrest in that community. Paul explains to the Jews there, why this law exists and how it relates to God’s righteousness.

So this is not about faith or unbelief or about all humanity, but only about the church in Rome. It makes no difference whether they are Jews or non-Jews, but God’s righteousness comes upon all believers (and not just those who follow the law exactly! The Pharisees had done the same and still did not stand higher in God’s grace).

The focus here is not on faith, for that can be seen as presupposed in the church, the focus is on all.

That is the context presents it. To extend this to all humanity is a wicked mistake. Paul’s purpose was simply to extend the narrow view of some Jewish believers and to put all believers on an equal basis with one another. The suggestion, that unbelievers must spend an endless eternity in hellish torture is a mistake.

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